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St. Nikolauskirche in Überauchen
Über der Ach, d.h. "über dem Wasser", und früher, vor dem Bau der neuen Brücke, mehrmals im Jahr wegen Hochwasser der Brigach nicht mehr direkt zu erreichen, liegt der zu unserer Gemeinde gehörende Ortsteil Überauchen, der 1078 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt ist als "Ubracher Velt".
Die Überaucher Kirche ist dem heiligen Nikolaus geweiht (Name im Mittelalter: Sancti Nicolai). Fast immer sind es Orte an Seen, Flussläufen und reißenden Gewässern, die im frühen Mittelalter den Heiligen mit dem Bischofsstab zu ihrem Schutzpatron wählten. Als Nothelfer gegen Überschwemmungen und Wasserschäden hielt der später als Kinderfreund beliebte Bischof bei uns seinen Einzug.
Vermutlich gab es schon 1360 eine Kirche in Überauchen. Eine Urkunde spricht davon, dass 1360-1370 die Pfarrei Kirchdorf mit den Filialen Klengen, Beckhofen, Überauchen, Tannheim, Rietheim, Marbach und Runstal zum Dekanat Löffingen gehörte.
Im Dreißigjährigen Krieg wird Überauchen am 7. und 8. Februar 1633 fast vollständig niedergebrannt.Auch die Kirche wird vermutlich ein Raub der Flammen. Die anschließend notdürftig renovierte Kapelle wurde wegen der großen Armut erst 1723 (neunzig Jahre später!) unter dem damaligen Pfarrer Josef Diem in der heutige Form wieder aufgebaut. Von den vielen Glocken unserer Pfarrgemeinde überlebten nur zwei den Französischen Krieg, den ersten und den zweiten Weltkrieg: die Glocke der Beckhofer Kapelle aus dem Jahr 1802 und die Überaucher Marien-Glocke aus dem Jahr 1864. Die Marien-Glocke wurde 1954 von Kranz-Wirt Martin Effinger erworben für die an der Straße nach Tannheim liegende Wegkapelle, die aber dann keinen Turm bekam. die Glocke stand ungenutzt jahrelang in der Scheune und hängt seit 1973 auf unserem Friedhof in Kirchdorf.
Im Gegensatz zu anderen Kirchen liegt die kleine Überaucher Kapelle nicht in Ortsmitte, sondern abseits vom Verkehr, ein wenig verträumt und versteckt im Grünwinkel, inmitten einer Wiesenlandschaft, umsäumt von einer Steinmauer, an der auch vier gefallene Soldaten des letzten Weltkriegs ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Dabei hat das Überaucher Kirchlein eigentlich keinen Grund sich zu verstecken. 1980 hat die Kapelle mit viel Eigeninitiative und der uneigennützigen Mithilfe einiger ortsansässiger Firmen eine gründliche und gut gelungene Renovation erfahren. Hierbei wurde Dach und Mauerwerk ausgebessert, der Innenraum frisch ausgemalt und der Fußboden erneuert. Die unbequemen früheren Bänke wurden ersetzt durch die Kirchenbänke aus der St. Martinskirche. Seitdem strahlt die St. Nikolauskirche in neuem Glanz. Es kommt nicht von ungefähr, wenn in letzter Zeit immer mehr Brautpaare die St. Nikolaus-Kapelle für ihre Trauung auswählen. Seit den 80-er Jahren beginnt auch die jährliche Nikolausaktion der Kolpingfamilie mit einem Gottesdienst in St. Nikolaus in Überauchen.
Der heilige Nikolaus ist wohl der bekannteste Heilige. Sein Todestag, der 6. Dezember, wird jahr für Jahr weltweit gefeiert. Besonders die Kinder freuen sich auf dieses Fest. Leider wird der Bischof Nikolaus aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. allzuoft mit dem Weihnachtsmann verwechselt. Nikolaus verkündet als Vorbote auf dem Weg zu Weihnachten das Kommen Gottes in unsere Welt, der Weihnachtsmann ist jedoch nur ein Werbeträger geschäftstüchtiger Verkäufer, der nichts anderes verkündet als sich selbst.
Michael Kraft


